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(737) Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen

Das Nichtwirtschaftswunder Ludwig Erhard! – Die unbestechliche Bundesbank und die kostenlose Wiedervereinigung! – taz-Journalistin Ulrike Hermann sprach Klartext im DAI!

„Wir, das Team des Deutsch Amerikanischen Institutes, lieben Märchen, egal ob aus dem hohen Norden von Hans Christian Andersen, oder die einheimischen Gebrüder Grimm, aber auch die Märchen aus dem Orient von 1001-Nacht. Wir lieben die Märchen, weil wir damit gut einschlafen können. Wir lieben die Märchen aber auch deshalb, weil sie uns in eine andere Welt entführen und sie uns darin von Goldeseln, Riesen oder Helden träumen lassen…“, so Adrian Gillmann in seiner Begrüßungsrede.

„Was aber passiert, wenn sich die Märchen in der Realität abspielen, oder wenn das, was uns von Politik und den Medien als „wahr“ präsentiert wird, in Nachhinein als Märchen entpuppt?“ – Diese spannende Unterhaltung wurde uns heute Abend von der taz-Journalistin Ulrike Hermann geboten.

In ihrem neuen Buch „Deutschland – Ein Wirtschaftsmärchen“, das auf seinem Deckblatt mit dem berühmten VW-Käfer das ultimative Wirtschaftswundersymbol schlechthin zeigt, enthüllt sie einerseits sehr gut recherchiert und unheimlich mutig einige „wahre“ Märchen aus der Vergangenheit, Märchen die hauptverantwortlich dafür waren, dass wir heute diesen großen Wohlstand und Reichtum genießen können, andererseits, hält sie uns den Spiegel vor Augen, wie düster und perfide eigentlich die Politik und die Wirtschaft funktionieren, oder besser gesagt zusammen spielen und agieren.

Das erste Märchen, das sie uns präsentierte, war das Märchen „Ludwig Erhard, der Vater des Wirtschaftswunders“. Erhard, dessen dunkle NS-Vergangenheit bis heute noch verschwiegen wird, war alles andere als ein Held oder der Vater des Wirtschaftswunders. Im Gegenteil, er stand mit seinen naiven wirtschaftlichen Ideen stets im Schatten Adenauers, unter dessen Führung er Gott-sei-Dank sehr wenig zu sagen hatte. „Vor allem war Erhard ein Lügner und Opportunist“, so das Zitat von Ulrike Herrmann. In keiner Weise hat dieser Mann dazu beigetragen das Nachkriegsdeutschland aus der Not herauszuholen.

Auch die D-Mark wurde nicht von Westdeutschland eingeführt, wie man lange Jahre glaubte; nein, es waren die Amerikaner, die diese Währungsreform durchsetzten. Das im Fernsehen so häufig vermarktete „Wirtschaftswunder Deutschland“, gab es ebenfalls nicht wirklich. Wahr ist in diesem Zusammenhang, dass in der Zeit nach dem Krieg alle europäischen Länder einen enormen Boom nach oben erlebten.

Deutschland hat sein „Wirtschaftswunder“, wenn überhaupt, Konrad Adenauer zu verdanken, denn dieser legte mit dem Ziel unser Land in die Europäische Union zu integrieren und der Durchführung einer dringend notwendigen Rentenreform Ende der Fünfziger Jahre den Grundstein dafür, dass die Deutschen nicht nur mehr Geld in der Tasche hatten, sondern auch Import und Export wieder richtig gut aufblühen konnten.

Ein weiteres Märchen, das uns die Journalistin vor Augen führte, war das Märchen von der Bundesbank als „Hüterin der D-Mark“. Noch heute besteht bei vielen der Glaube, dass die Bundesbank tatsächlich den Geldmarkt reguliere und damit für Stabilität sorge. „Pustekuchen“, die Bundesbank hat uns in den zurückliegenden sechs Jahrzehnten mit ihrer unsäglichen Zinspolitik gleich mehrfach in große Wirtschaftskrisen gestürzt, und gleichzeitig Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit.

Ja, der Wohlstand, oder das Ankurbeln der Wirtschaft, funktioniert einerseits nur auf Pump – also mit der Vergabe von Krediten – und andererseits nur durch Arbeitslosigkeit. Je höher die Kredite und die Arbeitslosigkeit, desto höher der Wohlstand für die oberen Zehntausend.

Dementsprechend ist auch die „Soziale Marktwirtschaft“ ein ganz großes Märchen, denn die „Soziale Marktwirtschaft“ ist alles andere als sozial. Auch von ihr profitieren langfristig nur die Reichen, nicht aber die Armen, und schon gar nicht der Mittelstand der sich schon seit Jahrzehnten selbst finanzieren muss. Die Armen haben heute weniger Vermögen als noch vor 30 Jahren.

Die angeblich teure Wiedervereinigung kostete, wie Ulrike Herrmann in ihrem Buch aufdeckt, ebenfalls keinen einzigen Cent, und wurde durch den Solidaritätszuschlag sowie das Anheben der Sozialabgaben noch zusätzlich subventioniert. Mehr Informationen und Recherchen hierzu, findet man in ihrem Buch.

Ja, das raffgierige kapitalistische Rad der sozialen Ungerechtigkeit dreht sich  unaufhaltsam weiter, und spielt damit automatisch radikalen Parteien in die Arme, die diese falschen Traditionen und Märchen geschickt für sich und ihre Programme nutzen.

Die Luft nach oben, wird allerdings zunehmend dünner. Die Folgeschäden dieser Ausbeutung immer größer, worüber wir bereits ausführlich in unseren Artikel „Das Ende der Evolution“ mit Matthias Glaubrecht und „Hilfe? – Hilfe!“ mit Thomas Gebauer berichtet haben.

Bleibt zum Schluss nur zu hoffen, dass von der Politik in naher Zukunft ein sozial-ökonomischen Wirtschafssystem eingeführt wird, das Wachstum und Fortschritt beschränken, weil viele Dinge technisch so gut entwickelt sind, dass sie kein Besser oder Schneller mehr benötigen. Die Reichen werden also in Zukunft den Gürtel enger, und zwar viel enger schnallen müssen, wenn sie weiter in Wohlstand leben wollen, und nicht zusammen mit ihrem Reichtum untergehen.

Bilder: Alexander Höfer

 

 

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