(573) Zusammen klappt’s (13)


Der „Katzer“ aus Ludwigshafen! – Luftballonmaltechniken! – und Polka für Igor! – ANIMUS-KLUB-KIDS bekamen abermals einen ganz neuen Blick fürs Bild und das Sehen in der Moderne!

        

So viel „geblickt“ wie dieses Mal haben wir bisher noch bei keiner einzigen Ausstellung. Die Werke und Exponate, die derzeit im Wilhelm-Hack-Museum ausgestellt sind, verzaubern und faszinieren jedes Mal aufs Neue und immer wieder anders. So auch bei unserem letzten Besuch, denn wir durften bei dem Thema „Experimente mit Farben“ bereits schon ein wenig in die neue Sonderausstellung „Autofiktionen“ hineinspicken.

Ein riesiges Kunstwerk erwartete uns gleich im Aufgang zum Museum. Der Schweizer Künstler Marc Bauer verzierte die große Wand des Foyers mit einem ganz außergewöhnlichen Bild. „Es gibt bunte und unbunte Farben“, so die Museumspädagogin Anja Guntram. „Kennt ihr bunte Farben?“ – … „Bunte Farben?“ … „Sind nicht alle Farben bunt?“ – Rot, Gelb, Grün, Pink, Weiß (!) – „Hoppla, ist Weiß eine bunte Farbe?“ – … „Nein, Weiß ist keine bunte Farbe. Es ist eine unbunte Farbe, genauso wie Schwarz und Grau!“ – Und weil die Farben unbunt sind, wirken die Werke meist düster, bedrohlich, traurig, oder auch nachdenklich. So auch das mächtige Werk, das derzeit die komplette Wand des Foyers einnimmt, und mit einer ganz besonderen Technik erstellt wurde.

Der Künstler verwendete hierfür nämlich Kohle, und zeichnete dieses Werk mit seinen Händen auf einem Gerüst stehend. Um zu verhindern, dass der Kohlenstaub auf den Boden rieselt, wurde eine zusätzliche Rinne erstellt, um diesen aufzufangen. Das Bild, das die französische Nordküste zeigt, enthält allerlei sichtbare aber auch versteckte Botschaften. Schnell fällt auf, dass das Meer sehr unruhig ist. Offensichtlich ist ein Sturm gerade am Wüten. In Mitten des Bildes schimmert ein  Wasserfall durch die hohen Wellen und Wogen.

Nach diesem intensiven Blick und der Verinnerlichung seiner Emotionen, stellte uns Anja ein weiteres unbuntes Bild vor, das bereits schon zwei Mal zuvor Gegenstand der Führung war. Doch wie bereits erwähnt. Jedes Mal richtet sich unser Blick auf etwas ganz anderes. Das Werk von Michael Raedecker zeigt ein geschlossenes Fenster in unterschiedlichen Grau-Schattierungen. Bei unserem ersten Blick erkannten wir, dass die Vorhänge des Fensters so gestaltet sind, dass wir nicht genau erkennen konnten, ob wir nun von außen hinein, oder von innen hinausschauen. Das ist nicht wirklich ersichtlich. Bei unserem zweiten Blick auf das Gemälde stellten wir fest, dass es aus drei Bildern zusammengesetzt wurde. Und nun, bei unserem dritten Blick auf das Werk, konnten wir wieder etwas ganz Neues erkennen, allerdings erst, als wir unmittelbar vor dem Bild standen. Dieses Bild wurde nämlich nicht nur gemalt, sondern teilweise auch genäht, und wir waren spätestens jetzt nicht nur fasziniert, sondern auch verblüfft über diese neue Erkenntnis. „Genau das ist Kunst. Wir betrachten ein Bild in drei verschiedenen Führungen, und erkennen immer wieder etwas Neues, und etwas, das wir zuvor noch überhaupt nicht wahrgenommen haben!“

So auch beim nächsten Werk „Farbraumkörper“ von Gotthard Graubner Bei unseren letzten beiden Besuchen liefen unsere Kinder mehr oder weniger uninteressiert an diesem scheinbar nichts aussagenden Werk vorbei und wendeten ihren Blick ganz schnell anderen Ausstellungsobjekten zu, weil sie nicht, oder noch nicht genau erkennen konnten, was ihnen der Künstler damit sagen wollte. Heute führte uns die Museumspädagogin eine ganz neue Betrachtungsweise und Technik vor, denn der Hintergrund dieses Werkes wurde komplett aus Watte erstellt. Beim noch genaueren Hinschauen, konnten wir auf einmal viele Sachen erkennen, die wir bis Dato noch nicht wirklich wahrgenommen hatten, wie zum Beispiel Wälder, Flüsse und auch ganze Sternhaufen. „Ja, nicht einfach nur vorbeilaufen! – Genau hinschauen und sich Gedanken machen!“ – Das sind zwei ganz wichtige Tugenden, die in unserer schnelllebigen „Klick-Welt“ immer weiter verloren gehen. Hier im Hack-Museum erhalten sie allerdings eine neue und ganz wertvolle Bedeutung.

Von den unbunten Bildern ging es nun direkt zu den farbenfrohen, was einen ziemlich heftigen Kontrast darstellte. Das wunderschöne mit Air-Brushing erstellte Werk von Matti Braun, welches sich von der nicht im Malkasten vorhandenen Farbe „Magenta“ über Pink, Lila und Türkis bis hin zu Blau vermischt, ist ein absolutes Herzstück der Ausstellung. Speziell beleuchtet entfaltet dieses Bild aufgrund seiner Farbenfreude eine unglaubliche Faszination, ähnlich wie das Werk „284a“ von Ruprecht Geiger, der die Farben rollte.

Die Bilder des französischen Künstlers Didier Trenet „Encore un instant, Trois Fois helas und Deux F++ts“ aus der neuen Ausstellung bildeten das Finale der Führung. Hier stellte uns Anja einen Künstler vor, der nicht nur Sarkophage oder andere truhenähnliche Gegenstände, sondern auch Sprache in seinen Bildern versteckt, bzw. sie mit mehreren Schichten von Farbtönen der gleichen Farbfamilie versieht. So zieren unzählige verschiedene Braun- oder Grüntöne seine Bilder, die entweder immer heller oder dunkler werden.

Mit diesen Anregungen ging es wieder ins Museumsatelier, wo Anja wie immer jede Menge Sachen für die Kinder vorbereitet hatte. In diesem Zusammenhang stellte sie uns auch die Maltechnik mit Luftballons vor, die unsere Kiddies natürlich sofort ausprobieren wollten. Hierfür gab es auch noch pulverisierte Farbe, denn es galt ja mit dem Luftballon zu malen, und nicht den Luftballon anzumalen.

Fortan wurden wieder fleißig Farben gemischt, Pinsel geschwungen oder mit der neuen Maltechnik gearbeitet, und interessante Werke erstellt. Das Malen mit dem Luftballons war für unsere Kiddies allerdings ein wenig gewöhnungsbedürftig. Dennoch erzielten sie damit ein paar ganz schöne Resultate. Nach diesen neuen Experimenten wendeten sie sich allerdings wieder den ihnen vertrauteren Mal- und Kunst-Techniken hin. Hier erstellte Lena ein Rahmenbild und Victoria einen Ludwigshafener „Katzer“, eine Mischung aus einem Kater und einer Katze mit Klo-Rolle und Wolle.

        

Im Anschluss an den Workshop gab es noch ein bisschen Zusatz-Muße, denn es wartete die besondere Buchpräsentation „Polka für Igor“, gelesen von der Autorin und Illustratorin Iris Anemone Paul. Das bildschöne Buch, war ihre Masterarbeit, wie wir im Anschluss an die unterhaltsame und lustige Geschichte rund um den betagten Hund Igor erfahren.

Mächtige Siebdruckbilder hinterlegen farbenfroh eine nicht weniger farbenfrohe Geschichte, in der der urkomische und etwas muffelnde Hund ebenso urkomische Geräusche – grunzen und schnarchen, schnauben und pusten – von sich gab. Hin und wieder tauchten innerhalb der Geschichte auch Musiker auf, die den Rauschebärten von ZZ TOP, oder dem Dr. Hook der Siebziger Jahre mit seinen „Sexy Eyes“ ziemlich ähnlich sahen. 

Das Buch ist in Teilen authentisch, zumindest die besonderen Verhaltensweisen des Hundes. Der aus Polen stammende Hund wurde ihr seinerzeit als total pfiffig angepriesen, und entpuppte sich dann in der Realität allerdings als alter Senior, der seine Rente hier in Deutschland mit Schlafen und dem Verzehr von Curry-Würstchen in allen Zügen genoss.

      

Das Buch ist im Mannheimer Kunststifter Verlag erschienen, und kann in allen herkömmlichen Buchhandlungen bestellt werden. Ein ideales Weihnachtsgeschenk für alle, die wollen, dass ihre Kinder nicht nur lesen, sondern auch die Geschichte musisch verinnerlichen möchten. Wir bedanken uns wie immer sehr für diesen neuen Rundum-Blick in neue-alte Kunstwerke und wunderschöne Geschichten.

 

 

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