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(680) 5. Nußlocher Wiesenlauf

Das Gegenteil von Erfolg ist nicht Misserfolg, es ist nicht machen! – Viktoria Storozhko lief sich beim 5. Wiesenlauf in Nußloch erstmals auf das Siegertreppchen!

Es hätte ein richtig tolles und auch sehr erfolgreiches Wochenende für uns werden können, wenn, ja wenn uns nicht bestimmte Umstände einen ganz großen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Manchmal kommt es leider anders, als man denkt oder erhofft. Und manchmal, da frägt man sich auch, ob Eltern überhaupt wissen, was sie tun, oder besser gesagt, was sie nicht tun.

3:14 Minuten, war die Siegeszeit über 800 Meter bei den Mädchen. Eine Zeit, die unsere Daniella mittlerweile durchaus laufen kann. Sie hätte also erstmals einen Lauf gewinnen können, und so ihre tollen Leistungen aus den letzten drei Monaten krönen, wenn sie, ja wenn sie dabei hätte sein dürfen. Doch leider raubte man ihr diese ganz große Chance einmal als Siegerin durchs Ziel zu laufen. So etwas tut weh, so etwas tut sehr weh, und so etwas hinterlässt auch tiefe Wunden beim Kind.

Auch unsere drei Jungs hätten beim 1.200-Meterlauf durchaus die Möglichkeit gehabt sich zu positionieren. Doch leider sind auch wir gegen den medialen Overkill einerseits, und absolut resistenter Eltern andererseits, machtlos. Der Kick auf V-Bucks, und dem Erreichen des nächsten Levels bei einem Computerspiel – sprich Dauerzocken am Wochenende – sind für die Jungs derzeit wichtiger, als eine Leistung zu erbringen, auf die sie persönlich stolz sein könnten.

Der aktuelle Interessenszerfall; er war auch bei den Schülerläufen des Nußlocher 5. Wald- und Wiesenlauf deutlich und sehr schmerzhaft spürbar. Während bei den Bambinis noch gut 70 Kinder an den Start gingen, waren es bei den Grundschülern nur noch 30 und in Viktorias Altersklasse bei den 11-jährigen bereits nur noch 15 Teilnehmer. Den Zenit der Enttäuschung stellte die eigentliche Königsklasse der 13-14-jährigen dar. Hier liefen nur noch stolze vier Kinder. Also gerade in der Altersklasse, in der die Kinder eigentlich unheimlich viel Energie und Power haben, und daher richtig gut laufen könnten, da laufen nur noch ganz wenige.

Dieses traurige Entwicklung, dass sowohl unser gesellschaftliches System, als auch die Schule in Kombination mit erziehungsresistenten Eltern und natürlich den Medien, den Kindern jegliche Freude am selbständigen Machen und Tun rauben; diese traurige Entwicklung erkennen wir schon seit Jahren in allen Bereichen, nicht nur im Sport. Es ist mittlerweile fast so gut wie unmöglich Kinder zu motivieren etwas zu machen, geschweige denn Eltern. Die Folgen dieser „Faulheit“ werden allerdings fatal sein. Nicht nur, dass die Kinder, je länger sie zu Hause vor den Geräten sitzen, noch motivationsloser und unzufriedener werden, als sie bereits sind; sie entwickeln sich dabei gleichzeitig unweigerlich zu absoluten „Taugenichtsen“ und „Versagern“ auf ganzer Linie.

Und die Eltern? …  – Ja, denen scheint das völlig egal zu sein, weil solange die Kinder vor den Geräten sitzen, müssen sie ja auch nichts machen und haben ihre Ruhe.

Diese fehlende Lust etwas zu machen oder bei etwas mitzumachen; diese fehlende Anteilnahme zerstört heute schon sehr viele Veranstaltungen, und hinterlässt traurige und enttäuschte Gesichter bei den Verantwortlichen, die sich stets sehr viel Mühe geben, um Kindern hier einen schönen Moment zu bieten.

Auch die Nußlocher Leichtathleten hätten wesentlich mehr verdient gehabt als nur vier Teilnehmer über die 1.200-Meterstrecke.

Mit Viktoria konnten wir zumindest eines unserer Mädchen motivieren über die 800 Meter an den Start zu gehen. Viktoria ist ein Mädchen, das vor drei Monaten noch nicht einmal in der Lage war eine Stadionrunde zu laufen. Ihre ersten 800-Meter lief sie Mitte April in einer Zeit von 5:44 Minuten.

Aber unsere Viktoria ist ein Mädchen, das bei nahezu bei allen Aktionen, die wir durchführen dabei ist, und dadurch jede Woche den größten Erlebnis- und Lerninput erhält. So konnte sie ihre Zeit bis Ende April bereits auf 4:24 Minuten verbessern, und bestätigte Ende Mai mit einer Zeit von 3:57 Minuten sogar die erforderliche Goldzeit für das Sportabzeichen.

Auch in den letzten drei Wochen haben wir unseren Kindern eine gesunde Mischung aus Sport und Bewegung, sowie Kunst und Faszination geboten. Unvergessen die beiden großen Pferdehighlights CAVALLUNA und EQUINTANA, sowie das Offene Atelier des Wilhelm-Hackmuseums, aber auch die zwei Läufe in Ludwigshafen und  Edingen, bei denen sich unsere Mädchen trotz enormer Hitze zu richtig guten Zeiten liefen.

 

Viktoria war zwar einerseits richtig fit, war aber andererseits am heutigen Vormittag erstmals auf sich alleine gestellt, was ihr ein bisschen Lampenfieber verursachte. Das berühmte Kribbeln vor einem Wettkampf, diese Aufregung und Nervosität gehören ja zu der Atmosphäre einfach dazu. Zu viel Lampenfieber sollte allerdings nicht sein. So schraubte unser Vorsitzender mit bestimmten Aufwärmübungen den Adrenalinspiegel Viktorias nach unten, und stellte sie gleich darauf taktisch richtig gut auf den Lauf ein.

Viktoria sollte, genauso wie in den Läufen zuvor, nicht ganz so schnell angehen, und wie immer ein Tempo laufen, bei dem sie sich unheimlich wohlfühlt, bzw., sie sollte sich während des Laufes an den Läuferinnen orientieren, die ihr Tempo liefen.

Der 800-Meterlauf war dann mit Leichtathleten von der TSG Wiesloch und der TSG Ketsch sehr stark besetzt, und Viktoria erwischte dadurch wahrlich einen unheimlich schnellen Lauf, der sie nicht nur mit 3:39 Minuten zu einer neuen persönlichen Bestleistung zog, sondern ihr auch den dritten Platz in ihrer Altersklasse bescherte.

So durfte Viktoria heute das erste Mal das Siegertreppchen betreten, und mit dem stolzen Gefühl nach Hause gehen, ihre 800-Meterzeit von Mitte April bis Mitte Juli um mehr als zwei Minuten verbessert zu haben. Chappeau!

Bilder: Alexander Höfer

 

 

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ANIMUS KLUB

Das Gegenteil von Erfolg ist nicht Misserfolg, es ist nicht machen!

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