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(747) Between Art and Commerce

Genial, oder unspektakulär? – Direkt aus dem Leben, oder Fantasie? – Fotografiert, oder gemalt? – Port25 eröffnete Biennale für aktuelle Fotografie!

Vor gut zweieinhalb Jahren veranstaltete der Mannheimer Raum für Gegenwartkunst die erste Biennale für Fotografie. Schon damals war aufgrund der enormen Nachfrage der Wunsch nach einer Fortsetzung dieser Reihe sehr groß, zumal sich diese Ausstellung ja über mehrere Museen in Mannheim und Ludwigshafen verteilte. So eine Idee zu realisieren geht natürlich nicht von heute auf morgen. Wie immer müssen solche großen thematischen Ausstellungen sorgfältig und längerfristig geplant werden. Auch der logistische Aufwand einer multimusealen Vernissage ist um ein Vielfaches größer, da in allen Museen alles zeitgleich auf den Punkt gebracht werden muss.

Hinzu gesellte sich dieses Mal auch die Schwierigkeit, dass die Verantwortlichen thematisch nicht wirklich an die erste Biennale anknüpfen konnten. So ruft die neue Ausstellung „Between Art and Commerce“ einerseits zwar die schönen Erinnerungen an die erste Vernissage dieser Art hervor, zeigt aber andererseits auch völlig neue Facetten der Fotografie zwischen Kunst und Nichtkunst oder eben zwischen Kommerz und Nichtkommerz.

Herausgekommen ist dabei auch eine Ausstellung, die wieder einmal völlig unterschiedliche Gefühle anspricht, und bei der man sowohl den berühmten „Hoppla!-Was-ist-das-denn-Moment!“ erleben kann, als auch darüber staunen, welche Werke als Kunst gelten, bzw., wie die Kunst der Fotografie gezielt in der „Supermarkt-Werbung“ als Eyecatcher eingesetzt werden kann.

 

In der Ausstellung befinden sich auch zwiespältige Werke, also Werke, die mehrere Bedeutungen zum Ausdruck bringen, je nachdem von welcher Perspektive man sie betrachtet. Abgedeckt werden nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens. Sowohl die schönen und lustigen Seiten, als auch die traurigen und düsteren.

Es ist immer wieder beeindruckend wie sich dieser Raum der Gegenwartkunst verändert und sich uns immer neu präsentiert. Manches fällt einem sofort ins Auge, anderes muss man suchen oder erst entdecken. Es sind meist die unscheinbaren Werke, also solche, die wir nicht auf Anhieb oder im ersten Moment wahrnehmen, die uns aber immer wieder tief in uns hineinhören lassen und mit denen wir uns daher im Laufe der Ausstellung auch länger beschäftigen, um nicht nur das Wesentliche oder die Oberfläche erfassen zu können.

 

Auch die kleinen und feinen Fotos haben ihren großen Reiz und versprühen einen gestochen scharfen Charme einer Situation, die kaum besser eingefangen hätte werden können. Egal ob in Farbe, oder in Schwarz-Weiß. Jedes Werk, ist so wie es ist, besonders, und sticht aus dem sintflutartigen Bilderdschungel der Medien heraus.

Sich Zeit nehmen für Bilder, die das gewisse Etwas in sich verbergen, und nicht einfach nur als Schnappschuss für eine Panik-Reportage dienen, oder billigen Boulevard-Journalismus repräsentieren.

Der Besuch des PORT25, er lässt uns jedes Mal aufs Neue entfliehen von dieser hektischen und auch grausamen, vereinsamenden Welt, in der viele nur noch, wie eingefroren, auf einen kleinen Bildschirm starren, sich dauerberieseln lassen, oder sich in ihre eigene Welt flüchten. Sie flüchten dabei aber auch vor dem Wichtigsten, nämlich dem Leben selbst.

 

So findet man in dieser Ausstellung auch Fotografien aus den 20’er und 30’er Jahren, also einer Zeit, in der die Welt für das Foto noch in Ordnung war, bzw., einer Zeit, in der die Fotografie noch einen ganz besonderen Wert hatte. Eine Zeit, in der sich jeder noch darüber freute, ein Bild seiner Liebsten geschenkt zu bekommen. Eine Zeit, in der das Foto nur von einem Fotografen erstellt werden konnte. Heute verliert das schöne Bild oder die besondere Fotografie nicht nur immer stärker an Wert und Bedeutung, sondern es verliert sich primär in einem endlosen Bilderlabyrinth der digitalen Welt. Wahrscheinlich reichen mittlerweile schon zehn Leben nicht mehr wirklich aus, um alle Bilder, die uns täglich in den Netzwerken beglücken, auch nur eine Sekunde lang anzuschauen.

Der Blick für das Wesentliche, der Blick für die Realität. Er geht immer stärker verloren. Und diesen Blick, den versucht uns der Raum der Gegenwartkunst mit jeder Ausstellung immer wieder aufs Neue zu schärfen. So auch diese Mal in der genialen Verbindung von Kunst und Kommerz.

Wir bedanken uns bei Yvonne Vogel, die heute Abend erstmals zusammen mit der neuen Kulturreferentin der Stadt Ludwigshafen Stefanie Kleinsorge sowie dem Kurator David Campany diese städteübergreifende Ausstellung eröffnete, und freuen uns schon auf die Biennale in den anderen Häusern.

Bilder: Alexander Höfer

 

 

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