(615) Der König ist tot


Schachspielen ohne König auf 7×7, anstatt auf 64 Feldern! – Künstlerin Ana Laibach stellte ANIMUS-KLUB-KIDS im PORT25 vor eine ganz große Herausforderung!

„Was? – Schachspielen OHNE König? – Wie soll das denn bitteschön gehen? – und dann auch noch auf 7×7, anstatt wie gewohnt auf 64 Feldern?“ – Diese große Herausforderung wartete auf unsere Kids in der letzten Woche im PORT25. Besonders interessant. Ana Laibach die Künstlerin und Erfinderin selbst, kann überhaupt kein Schach spielen, und was wir nicht wussten; eine Regel, wie dieses Spiel jetzt nun genau funktioniert, oder funktionieren soll, gab es nicht, sondern diese durften wir selbst erstellen. Erfindergeist war also gefragt im Raum der Gegenwartkunst, der uns in den letzten drei Jahren so manches besondere und überraschende Programm geboten hat, und auch dieses Mal nicht vor Genialität zurückschreckte.

„Doch wie um alles in der Welt sollten wir jetzt ohne König Schach spielen? – Sollten unsere Kids vielleicht die Dame als König verwenden, oder sollten sie einfach nur munter drauflos spielen, bis alle Figuren geschlagen waren?“ – Letzteres war zwar eine Option, doch einen Sinn machte so eine Spielregel nicht wirklich.

Einige Zeit der Betrachtung der Gegebenheiten und der Muße, die sich derzeit im großen Ausstellungsraum befand, regte die Fantasie und den Ideengeist unsere Kids allerdings enorm an. So kamen Viktoria und Marlon schließlich auf die Idee den König auf das danebenstehende richtige Schachbrett zu stellen und die geschlagenen Figuren aus dem 7×7-Spiel ebenfalls genau auf ihre eigentlichen Positionen zu stellen, mit dem Ziel, auf dem richtigen Schachbrett weiterzuspielen, sobald einer von ihnen keine Figuren mehr hatte.

Keine schlechte Idee, wie sich später herausstellen sollte, doch zu vor gab es erst einmal ein paar andere Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, denn das Fehlen des Königs, bzw. einer kompletten Reihe Spielfelder erschwerte das Schachspiel enorm, wie unsere beiden Kids gleich feststellten. „Es gibt ja gar keine weißen Läufer!“ – Ja, klar. Das Feld des Königs fehlte. Somit standen bei diesem Spiel sämtliche Läufer auf Schwarz. Auch die Bewegungsfreiheit für die Springer war durch das Fehlen einer Reihe extrem eingeschränkt. Allerdings konnte man das Feld vor der Dame gleich mit vier Offizieren schützen. „Wobei, die Dame schützen?“ – Die Figur, die in alle Richtungen ziehen darf, sobald sie angegriffen wird. Dieser Schutz war nicht wirklich notwendig.“

So kamen beim Spielen auf 7×7 völlig neue und absolut kuriose Spielsituationen zu Stande. Züge und Konstellationen, die beim normalen Schachspiel nicht wirklich möglich gewesen wären. Auf diese Weise konnten sich unsere beiden Spieler nach und nach gegenseitig die Figuren wegnehmen, wobei Marlon in dieser Phase noch ganz deutlich die Überhand behielt.

Wie wir bereits in unserem letzten Bericht erwähnt haben, steht in der Ausstellung derzeit auch ein „Halloween-Schachspiel“ aus Keramik. Die großen und robusten Geister sind ein absoluter Hingucker in der Ausstellung. Da alle Figuren fast gleich groß sind, sorgen sie beim Spielen allerdings für ziemlich viel Verwirrung. „Ist das jetzt ein Bauer oder ein Läufer, oder vielleicht doch ein Springer?“ – Man musste sich beim Spielen die Figuren schon ganz genau merken, wenn man an diesem großen Keramikbrett eine Partie Schach spielen wollte. Dennoch gab es eine kleine Orientierungshilfe auch hinsichtlich der Bauern. Ein gegenüberliegendes Paar war in seiner Form immer gleich, bzw. nahezu identisch, da auf der weißen Seite die lebenden und auf der schwarzen Seite ihre toten Geister standen.

Weiter inspiriert von der Ruhe und der aktuellen Farbenfreude der Ausstellung kamen unsere beiden Kids nach gut einer Stunde zum Ende des ersten Teiles ihres Spieles. Marlon hatte Viktoria alle Figuren weggenommen, und so begann auf dem richtigen Schachbrett nun das Endspiel.

Jetzt wurde es allerdings richtig interessant, denn Viktoria hatte ja alle Figuren zur Verfügung, und Marlon deutlich weniger, und mit zwei Springern und einem Turm nicht wirklich ausreichend viele Offiziere, um sich gegen die Übermacht von Viktoria gut verteidigen zu können, oder sie sogar Matt zu setzen. So begann aus Marlons Sicht ein sehr defensives Spiel mit dem Ziel sich vor der Übermacht Viktorias irgendwie zu schützen, und so wenig wie möglich Figuren zu verlieren. Viktoria hingegen hatte nun alle Chancen Marlon ziemlich schnell ins Schach zu stellen, oder ihn sogar Matt zu setzen. Fortan entwickelte sich ein hochinteressantes, ganz anders Schachspiel, bei dem man aufgrund der Ausgangssituation taktisch und strategisch völlig anders denken musste. Unsere Kids haben also wieder etwas gelernt, etwas, das in die professionelle Richtung der Problemlösung „Strategisches Denken in komplexen Situationen“ geht, und beim Spielen auch die Fähigkeit erweckte andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, Möglichkeiten, die wir zuvor gar nicht berücksichtigt haben.  

Wir sagen Ana Laibach und dem großartigen Team von Stefanie Kleinsorge vielen lieben Dank für diese schöne, aber vor allem auch ruhige Wissensbereicherung, und wir freuen uns schon heute auf die neue Ausstellung im Mai.

Bilder: Alexander Höfer

 

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ANIMUS KLUB

Wenn auch nicht alle Künstler Schachspieler sind, so sind doch alle Schachspieler Künstler – (Marcel Duchamp)

      

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