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(614) Wenn Tiger schießen lernen

Der große Tiger! – Paulchen Panther und der Schneemann! – Und ein Kinderzimmer voller Überraschungen! – Ana Laibach und Amadeus Certa erhalten den Mannheimer Kunstpreis der Heinrich-Vetter-Stiftung!

        

Zum siebten Mal wurde der Mannheimer Kunstpreis der Heinrich-Vetter-Stiftung verliehen. In diesem Jahr ging der Preis an die Künstlerin Ana Laibach, über deren Arbeiten wir schon des Öfteren in unseren Artikeln über PORT25 berichtet haben, und an den jungen Mannheimer Maler und Grafiker Amadeus Certa.

Farbenfreudig, überraschend, total abgefahren, Kinderträume erweckend und vertikal verschoben präsentiert sich die neue Ausstellung, die ausschließlich die Werke der beiden Preisträger ziert. Bereits der farbenfrohe Eyecatcher „Sommer 18“ von Ana Laibach, ein Gemälde, das regelrecht lebt, je weiter man von ihm weggeht, ließ schon eine ganz große Vorfreude bei uns aufkommen. Wie immer neu und völlig anders gestaltet als beim letzten Mal erwarteten uns Bilder unterschiedlicher Genres, Stile und Größen. Schön im Wechsel, mal Werke von Ana Laibach, mal welche von Amadeus Certa ergibt sich ein wunderschönes Gesamtbild unter dem Titel „Wenn Tiger schießen lernen!“ – Der Tiger selbst ziert die Wände des Erdgeschosses. Er ist eine aus neuen Teilen zusammengesetzte Arbeit mit Tusche gemalt, ähnlich wie wir das vor ein paar Monaten im Montpellier-Haus in Heidelberg bei ZAÜ und Géraldine Elschner miterleben durften.

Außergewöhnliche figurative Malerei zog uns sofort in ihren Bann und raubte uns eine geraume Zeit unserer kompletten Aufmerksamkeit. „SchachMatt“ ein riesiges Schachspiel auf Keramikfliesen, und in Form von lustigen Teufeln, Dämonen, Gespenster, Sensenmännern und anderer schauriger Figuren stehen sich in Schwarz und Weiß gegenüber. Hinsichtlich des Schachspielens entwarf Ana Laibach eine ganz geniale Alternative, nämlich ein Schachbrett, das aus 7×7-Feldern besteht und der König des Spieles nicht vorhanden ist. „Der König ist tot!“ nennt sich dieses Kunstwerk, das am 09. Februar und am 09. März allen neugierigen Schachbegeisterten zum Spielen zur Verfügung steht. 

Ein augenscheinliches Kinderzimmer – die Fortsetzung der Radiotagebücher über die wir bereits im letzten Jahr berichteten – entpuppt sich als düstere politische „Märchenerzählanstalt“. Umringt von bekannten und ein wenig verfremdeten Comic-Helden, sowie unschöner Zeitgenossen, bekommen die Kinder anstelle der grausamen Grimms Märchen, vergleichbar entsetzliche Geschichten aktueller Zeitgenossen in satirischer Bilderbuchform erzählt. Zum Beispiel: Der Trump, der sagt: „Ich bin klein, mein Herz ist rein….“ – Ja, fortsetzen möchten wir das jetzt nicht. Wir wollen wie immer nicht spoilen. Die Ausstellung ist noch bis zum 17. März geöffnet, so dass sich jeder vor Ort selbst sein Bild machen kann.    

      

Dass bei einer solchen Preisverleihung natürlich auch die politische Prominenz nicht fehlen darf, versteht sich von selbst, und so eröffnete der Kulturbürgermeister der Stadt Mannheim Michael Grötsch mit einer kurzen aber sehr würdevollen Begrüßungsrede die Veranstaltung. Bürgermeister Grötsch zeigte sich insbesondere beeindruckt über die Entwicklung des PORT25, und war ähnlich wie wir sehr überrascht über das sehr große Interesse seitens der Bevölkerung. Der große Ausstellungsraum, der sich heute wieder einmal in einem völlig anderen Glanz präsentierte platze fast aus allen Nähten.

Nächster Redner war Dr. Peter Frankenberg von der Heinrich-Vetter-Stiftung. Auch er hielt sich kurz, verzichtete auf die Vorstellung der Stiftung und deren Aufgaben, und überreichte stattdessen den beiden Künstlern seine Glückwünsche. 71 Arbeiten seien eingegangen. Die Jury hatte es also nicht einfach ihre Entscheidung zu fällen. Aber die Ausstellung selbst macht doch sehr deutlich, warum sich die Jury am Ende für diese beiden Künstler entschieden hat.

Kuratorin Stefanie Kleinsorge brachte uns dann die beiden Preisträger und ihre Vita näher. Ana Laibach, gebürtige Braunschweigerin war ja an der Kunstakademie in Karlsruhe im Studienfach Malerei eine Meisterschülerin des gerade vor wenigen Tagen verstorbenen Prof. Max Kaminski, und hat dadurch einen großen Bezug zu Mannheim und der Metropolregion. Amadeus Certa ist gebürtiger Mannheimer, studierte wie bereits erwähnt Malerei und Grafik, die er mit Auszeichnung an der Kunstakademie in Düsseldorf abgeschlossen hat. Als Meisterschüler von Prof. Sigfried Anzinger erhielt er auch schon einige Förderpreise.

Beide Ana Laibach und Amadeus Certa verstehen die Kunst ein Bild so zu gestalten, dass man beim mehrmaligen und intensiven Betrachten immer wieder neue Dinge in ihnen entdeckt. So sind durch die vielfachen Übermalungen, Kritzeleien oder auch Kratzern räumlich versteckte Objekte vorhanden, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Erst beim näheren Hinschauen, oder beim Betrachten aus der Ferne tauchen sie wie aus dem Nichts auf, und verschwinden wieder.

Auch geniale Mischtechniken, wie zum Beispiel das Bild „BlödMann“ oder wunderschöne Ölgemälde, wie „Fine und Luis“, die den Hintergrund der Präsentatoren bildeten, befinden sich in der Ausstellung und können alle käuflich erworben werden. Die Übergabe der Werke an die neuen Eigentümer würde allerdings erst nach Ausstellungsende erfolgen, weil eine leere Ausstellung mit schönen Bildern wollten Stefanie Kleinsorge und ihre großartiges Team dann doch nicht präsentieren.

Bilder: Alexander Höfer

 

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